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  • AutorenbildKlaus Podirsky

Vom Kinderrecht auf Fremdbetreuung ab 1. Jahr / 3. Monat (?)



Welches Kleinkind wünscht sich ein gesetzliches „Grundrecht auf Fremdbetreuung ab dem 1. Jahr? (oder gar ab 3. Monat)?


Ein paar Fragen dazu:

  • Wie ist der momentane Betreuungsschlüssel in unseren Ländern?

  • Wie viele Betreuer/innen fehlen für diese Aufgabe zurzeit in Österreich und Deutschland?

  • Pension: Wieviele Frauen (Eltern) profitieren von Kleinkinder-Fremdbetreuung?

  • Könnten Sie selbst 6-8linge gleichaltriger Babys betreuen? – Und was sagen Betroffene dazu? (Zum Thema: Bindung / Bonding siehe auch unseren Blog-Link: „Kinderrecht – Bindung vor Bildung!“)


Nun zum Versuch von Antworten auf obige Fragen:


Grundrecht auf Fremdbetreuung ab dem 1. Jahr (oder gar ab dem 3. Monat)

In Österreich geht es zurzeit um „persönliche Grundrecht für jedes Kind auf Fremdbetreuung ab dem 1. Jahr“. In Deutschland gibt es dieses kuriose „Recht“ bereits seit längerem. Vorbild für diese Rechts-Entwicklung ist Frankreich. Dort gibt es dieses „Kinder-Recht“ auf Fremdbetreuung – sogar ab dem 3. Monat – bereits seit Jahrzehnten. Genau das will von gewissen Gruppierungen (Feminismus & Neoliberale Wirtschafts-Kreise) nun auch in der BRD politisch erstritten werden. Die Folgen dieser Entwicklung absehend, setzen sich Kinder-Psychiater in Deutschland für eine gesetzlich festgelegte, individuelle „Krippen-Reife“ ein. (entsprechend der Schul-Reife vor dem 6. Lebensjahr). Zitat: Analog zur ‚Schulreife‘ sollte die ‚Krippenreife‘ für jedes Kind individuell beurteilt werden, um Traumatisierungen zu verhindern. Auch für Eltern ist es oft schmerzhaft und konfliktreich, sich in den frühen Entwicklungsjahren von ihrem Kind trennen zu müssen, und sie machen sich viele Gedanken, wenn sie es in ‚fremde Hände‘ geben. Sie kennen ihr Kind am besten und erfassen wegen ihrer einzigartigen seelischen Verbindung zu ihm seine ‚Krippenreife‘ intuitiv. Politische Forderungen nach möglichst früher Rückkehr der Mütter an den Arbeitsplatz verunsichern intuitives Wissen und schüren eine unnötige ideologische Konkurrenz um ein ‚richtiges‘ Frauenbild. Stattdessen brauchen wir staatlich geförderte entwicklungspsychologische Forschungen und Langzeitstudien, die den geplanten Ausbau der Tagespflegeplätze und die Einführung des Rechtsanspruchs auf einen Krippenplatz für die unter Dreijährigen aufmerksam begleiten, um Fehlentwicklungen vorzubeugen und Neuorientierungen zu evaluieren.“ (www.dpv-memorandum–krippenausbau)


Betreuungsschlüssel in Baby-Krippen in Österreich / Deutschland leiden unter akutem Mitarbeiter(innen)-Mangel!


In Österreich liegt der Betreuungsschlüssel in Kleinkinder-Krippen bei 6-8 Babys pro Betreuer/in. Die heutige Realität besagt, dass in Deutschland zurzeit (bis 2025) 300.000 bis 600.000 Mitarbeiter/innen fehlen (je nachdem, ob die Betreuungsschlüssel verbessert werden oder nicht). In Österreich fehlen ca. 200.000 (!) Betreuungspersonen.

Zitat: „Nach einer Studie des Deutschen Jugend-Instituts (DJI, 2017) mit der TU Dortmund, wird es bis 2025, selbst ohne Qualitätsverbesserungen, voraussichtlich eine Personallücke von insgesamt fast 330 000 Erzieher:innen geben. Wenn Qualitätsverbesserungen eingerechnet werden, wäre es sogar eine Personallücke von insgesamt ca. 600 000 Erzieher:innen.“ Wörtlich heißt es in der Studie weiter: „... Es wären fast genauso viele, wie es heute schon gibt (...) eine Größenordnung, die unter den heutigen Rahmenbedingungen nicht wirklich vorstellbar ist.“ (Rauschenbach, Schilling, Meiner-Teubner: „Plätze. Personal. Finanzen - der Kita-Ausbau geht weiter, Zukunftsszenarien zur Kindertages- und Grundschulbetreuung in Deutschland“, TU Dortmund, S. 28-30). https://www.dji.de/fileadmin/user_upload/bibs2017/rauschenbach_schilling_plaetze_personal_finanzen.pdf)

Der geplante Rechtsanspruch auf Ganztagesbetreuung in der Grundschule wird den Erzieher/innen-Mangel zusätzlich enorm verschärfen.


Hauptproblematik: Stress anywhere – für Babys und Betreuer/innen gleichermaßen


Warum aber ist das – vor allem bei „Daycare“ Krippen (teilweise sind das 24-Std.-Krippen) – so schwierig?! – Von der Job-Fluktuation auf diesem Arbeitsfeld ganz zu schweigen!


Entwicklungs-psychologische und medizinische Forschungsberichte über dieses Thema weisen klar darauf hin: Kinder sind oftmals hoch gestresst und Betreuer/innen bis an die Grenzen überfordert. Bereits VOR Corona bezeichneten allein 70% der in Deutschland tätigen Betreuer/innen ihre Arbeitsbelastungen als „akut gesundheits-gefährdend“. (Zitat aus DKLK-Studien Deutscher Kitaleitungskongress 2019/20

Viel an gesammeltem Datenmaterial, Erfahrungsberichten und Langzeit-Untersuchungen stehen heute zur Verfügung. Vor allem aus den Neurowissenschaften und der Kinderpsychiatrie, aber auch von Expert(inn)en vorort, den mit dem Krippen-Alltag befassten Erzieher(inne)n. Ihre Vertretung spricht von der Dringlichkeit einer „WENDE IN DER FRÜHBETREUUNG“. (Siehe: https://beduerfnisorientierte-paedagogik.de Zitat: Lasst den Kleinsten ihre Mütter und Väter!“) 


Pensions-Gap: Forschungen zufolge bringt Kleinkinder-Fremdbetreuung nichts!

Die Forschungen von 4 internationalen Unis: Uni Zürich in Zusammenarbeit mit der London School of Economics und der Princeton University sowie der Uni Edinburgh, weisen darauf hin, wie die Praxis der Teilzeitarbeit – bzw. die Korrelation mit Kinder-Fremdbetreuung in Österreich (bei Eltern / Müttern) – von landläufigen Vorstellungen und theoretischen Überlegungen abweicht. – Was die wissenschaftlichen Forschungsergebnisse zeigen: NACHHALTIGKEIT im Bereich des Pension-Gaps von Müttern (Eltern) in Österreich kann nur auf Basis gelebter WIRKLICHKEIT Realität werden können. … Die österreichische Tageszeitung „Standard“ berichtete am 11.11.2020 darüber. Die überraschenden Forschungsergebnisse sprechen für sich ...


Könnten Sie selbst 6-8linge gleichaltriger Babys betreuen?

6-8-linge als Analogie bildet die reale Situation in unseren Babykrippen durchaus treffend ab, wird aber aus Gründen einseitigen Lobbyings oft ignoriert oder schön-geredet. Nicht jedoch von Kinderpsychiatern und Pädagogen. Ihre langjährigen Forderungen lassen aber politisch bisher leider noch wenig aufhorchen.


Kürzlich hat die österreichische Bundesregierung (vermutlich auf Druck der Wirtschaftskammer) angekündigt, bis 2030, 4,5 Milliarden Euro für den Ausbau der Kleinkinderbetreuung (Kindergarten & Krippen) bereitzustellen. Glaubt man den obigen Forschungsergebnissen, werden sie am eklatanten „Pension-Gap“ für Eltern (Mütter) vermutlich nichts ändern. ABER: Vielleicht steigen mit diesem Geld die Chancen, dass sich die Betreuungsschlüssel ein wenig in Richtung verantwortungsvoller, medizinisch-psychologischer Standards entwickeln lassen ...


Hier die meines Erachtens entscheidende Frage:​ Was würde sich ein KIND von uns wünschen ...?


Wir von twogether.wien stehen jedenfalls dafür:                                                  (Klein)Kinder wünschen sich ein „Recht auf Elternzeit“ – kein „Recht auf Fremdbetreuung“! 🤗   


Fazit dieses hochkomplexen Dilemmas: Eines scheint klar: Es müssen ANDERE sozio-politische Möglichkeiten gefunden werden, um die zeitgenössische Arbeitswelt mit kindgemäßer / artgemäßer / menschengemäßer Baby-Betreuung (bis zum mindestens 3. Jahr) auf gesunde Weise unter einen Hut zu bringen! – Denn:

Weder kommt der Strom aus-der-Steckdose, noch kann Fremdbetreuung aus-dem-Hut-gezaubert werden. – Es braucht Menschen, die für diese Arbeit bereit sind!  


twogether.wien steht für individuell beurteilte, gesetzliche Krippen-Reife analog zur Schul-Reife! Weiters sind wir der Auffassung, dass medizinisch-psychologische Standards (Betreuungsschlüssel) für Babykrippen unverzichtbar sind.

Ansonsten: „Baby-Krippen – NEIN DANKE!“ 


Auf unserer Website findest Du weiter Infos zu diesem Thema: https://www.twogetherwien.com/gender-in-der-bildung

 


Herzliche Grüße

Klaus Podirsky und twogether.wien

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