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  • AutorenbildKlaus Podirsky

„Gewalt ist männlich.“ (?) Tabuisieren wir da eventuell Wesentliches? – Und warum?



Was sagen die statistischen Daten zu diesem Thema?


Ein paar initiierende Fragen dazu:

  • Was bedeutet „Gewalt ist männlich“?

  • Wie viele Männer wenden körperliche Gewalt an?

  • Wie kann man Gewalt definieren?

  • Wer / wie wird man gewalttätig?

  • Wann kommt es bei Männern / Frauen zu Gewalttaten?

  • Frauen und Gewalt. Wie oft wenden sie körperliche oder andere Gewalt an?


Nun zum Versuch einer Antwort auf die obige Fragen:

Ist Gewalt „männlich“?

Physische Verbrechen – und unsere Gesetzgebung kennt zurzeit keine andere Art von Gewalt – werden fast ausschließlich von Männern verübt. Ja, das stimmt.

Die Statistik ist einfach: Rechnet man die einschlägigen Statistiken auf die gesamte männliche Bevölkerung in Österreich bzw. Deutschland um, so ergibt sich, dass 2-3% aller Männer mindestens ein Mal im Leben durch eine physische Gewalttat auffallen. Bei Zuzählung der geschätzten Dunkelziffer (Tätlichkeiten, die nicht zur Anzeige gebracht werden – zumeist wohl in der Familie) kommt man auf eine Schätzung von 5% an gewalttätigen Männern.

Diese 5% sind offenbar so prägend, dass wir die repräsentativen 95% ignorieren!


Wie kann man Gewalt definieren?

Hier ein Versuch durch den Neurophysiologen, Psychologen und Biographiearbeiter, Mathias Wais: Gewalt ist die Verletzung oder dauerhafte Beschädigung der Integrität einer Person.(M. Wais: „Projekt Mann, S. 15). – Gemäß dieser Definition stehen neben der körperlichen Gewalt auch psychologische bzw. verbale Beschädigungen, Herabwürdigungen und andere Kränkungen als Gewalt zu Buche. Blendet unsere Gesellschaft bzgl. „Gewalt eventuell Wesentliches aus? Und wenn ja, warum?


Wer / wie wird man gewalttätig?

Betrachtet man Studien aus Deutschland, wie die von zwei deutschen Ministerien in Auftrag gegebene von Langzeitstudie Männer in Bewegung – Studie zum Gewalthandeln und Gewalterleben von Männern und Frauen.von R. Volz / P.M. Zulehner (2009), so wir Überraschendes deutlich. – Bei dieser Studie wurden über 1400 Männer und über 900 Frauen befragt. Es ist dies erste Forschungsarbeit in Deutschland, die auf einer sicheren Validitäts-Basis auch das Gewalterleben von Männern einbezieht. Zitate: „Die Datenanalyse bringt einen engen Zusammenhang zwischen glücklicher Kindheit und Gewalt ans Licht. Je unglücklicher die Kindheit erlebt wurde, desto eher erleiden heute Befragte vielfältige Gewalt und geben diese an andere weiter.“ (S. 207). „Die Zahl der Gewalttaten gegen Jungen ist von seiten der Mütter und auch der Väter doppelt so hoch wie gegen Mädchen. Die meisten Gewaltopfer sind Jungen. ... Dieser Zusammenhang ist ganz eindeutig. 80% der Täter waren vorher selbst Opfer. Auch das ist bei Männern und Frauen in ähnlichem Maße der Fall.“.

Die Juristin, Universitätsprofessorin Kristina-Maria Kanz von der Uni Münster, Lehrstuhl für Kriminologie, schreibt in ihrer Expertise zu einer einschlägigen Längsschnittsstudie: „In die Erziehung von Mädchen scheinen die Eltern mehr Aufmerk­­samkeit und Sorge zu investieren, sodass Jungen tendenziell häufiger gleichgültige Erziehungs­methoden erleben. Ein deutlicher geschlechts­spezifischer Unterschied zeigt sich jedoch in der gewaltsamen Erziehung und dort insbesondere bei den hoch violenten Erziehungs­­­­methoden (‚Prügel‘, ‚Zusammenschlagen’, ‚Würgen’, ‚Körperverletzung mit der Waffe’ oder ‚Faust Schlagen / Treten’). Diese wurden von Jungen doppelt bis dreimal so häufig erlebt wie von Mädchen.“ (K.-M. Kanz: „Mediengewalt und familiäre Erziehung“ in: „Delinquenz im Jugendalter – Erkenntnisse einer Münsteraner Längsschnittsstudie“, S. 282 K. Boers / J. Reinecke, Hrsg., Münster 2007).


Wann kommt es bei Männern / Frauen zu Gewalttaten?

Bei Männern kommt es hauptsächlich dann zu privaten Gewalttaten, wenn sie eine Situation der Hilflosigkeit und Verzweiflung erleben (Verlust an Lebens-Strukturen – Partnerschaft, Zuhause, Kinder – somit Verlust an Sicherheit im Leben.)

Bei Frauen kommt es ebenfalls primär aus Hilflosigkeit und Verzweiflung zu privaten Gewalttaten. Allerdings primär dann, wenn sie keine Chance sehen, sich engen Lebens-Strukturen zu entziehen. (Erlebnis: Hier geht es weniger um „Sicherheit", als vielmehr um den Verlust an innerer Freiheit.)


Frauen und Gewalt. – Was sagen Studien?

Nochmals aus obiger Langzeitstudie von R. Volz / P.M. Zulehner zitiert: „Im Umkreis der Töchter gibt es am wenigsten Gewalt. Zwischen Frauen und Männern ist nur wenig Unterschied. Es fällt auf, dass es bei den Frauen am meisten Gewalt gegen Söhne gibt. Am wenigsten Gewalt gibt es von Vätern gegen Töchter.“ (S. 199f) „Insgesamt haben in allen Varianten, Männer wie Frauen (nach eigenen Angaben) mehr Gewalt erlitten als getan. Männern wiederum wurde mehr Gewalt angetan als Frauen. Männer sind öfter Opfer als Täter von Gewalt als Frauen. ... Gewalterfahrungen sind nach Geschlechtertypen verschieden. Es fällt auf, dass moderne Frauen gewalttätiger sind als teiltraditionelle Frauen. Bei den Männern ist das Verhältnis von teiltraditionellen und modernen umgekehrt: Moderne Männer neigen weniger zu Gewalt, erleiden auch weniger“. (S. 201ff, S. 316)

Im Umkreis der Töchter gibt es am wenigsten Gewalt. Zwischen Frauen und Männern ist nur wenig Unterschied. Es fällt auf, dass es bei den Frauen am meisten Gewalt gegen Söhne gibt.“ „Gewalterfahrungen sind nach Geschlechter-Typen verschieden. ... Es fällt auf, dass moderne Frauen gewalttätiger sind als teiltraditionelle Frauen. Bei den Männern ist das Verhältnis von Teiltraditionellen und Modernen umgekehrt: Moderne Männer neigen weniger zur Gewalt, erleiden auch weniger.“ (S. 201)


 

Als bekannt und gesichert gilt: ALLES SOZIALE IST SYSTEMISCH!

Fazit: Am Ende jeder Gewaltspirale steht häufig die körperliche Gewalt eines Mannes. Wie bitter für alle Beteiligten 🥲. 

(Siehe auch das Zitat der Gender-Medizinerin, Univ.-Prof.in Kautzky-Willer von der Med-Uni Wien zum Thema „Verlust der Impulskontrolle & Männer-Gewalt“ als vorherrschende Symptome einer akuten Depression des Mannes (Siehe Blog: „Gender-Medizin und Geschlechter-Unterschiede“!) 


Heikles Thema: Wie kann es sein, dass wir andere Arten von Gewalt als Gesellschaft tendenziell so stark tabuisieren und somit dazu beitragen sie ausblenden?



Wir von twogether.wien stehen jedenfalls dafür:

Nachhaltige Gewaltprävention braucht BEIDE Geschlechter! 🤗 (Siehe dazu dieses Interview am Symposium 2023: https://youtu.be/5-kmgGVBRqA)


 (Es gibt einen weiteren Beitrag zum Thema Gewalt: Femizid“(?) versus systemischer Umgang mit partnerschaftlicher Gewalt"



Herzliche Grüße

Klaus Podirsky und

twogether.wien – 
Men4Women, Women4Men, HUMANS4HUMANS!

🤗👫👫👫👫👫👫👫👫👫🙋‍♂️


P.S.: Was sagt Dir diese Reflexion zum Thema Gewalt? – Was nimmst Du mit?

Hinterlasse für uns alle einen kurzen Kommentar.

Sei eine/r der Ersten, die sich bereit finden, den „Sozialen Klimawandel” zum Positiven mitzugestalten. twogether.wien.

 


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